2.1 Das Modell im Überblick
| Stufe | Frage | Ergebnis | Kapitel |
|---|---|---|---|
| I | Welche Kosten sind angefallen? | Kostenartenplan mit abgegrenzten, verrechenbaren Kosten | Kapitel 4 |
| II | Wo sind sie angefallen? | Betriebsabrechnungsbogen mit Zuschlagssätzen und Maschinenstundensätzen | Kapitel 5–7 |
| III | Wofür sind sie angefallen? | Kalkulation je Auftrag, Angebotspreis, Deckungsbeitrag | Kapitel 10–13 |
2.2 Stufe I — Kostenartenrechnung
Ausgangspunkt ist die GuV. Sie wird sachlich abgegrenzt (was gehört überhaupt in die Kostenrechnung?) und zeitlich (welcher Anteil gehört in diese Periode?). Das Ergebnis ist ein Kostenartenplan, in dem jede Position genau einmal auftaucht — bereinigt um neutrale Aufwendungen, ergänzt um kalkulatorische Kosten.
2.3 Stufe II — Kostenstellenrechnung
Einzelkosten lassen sich dem Auftrag direkt zurechnen. Gemeinkosten nicht — sie fallen für den ganzen Betrieb an. Der Betriebsabrechnungsbogen verteilt sie auf Kostenstellen und leitet daraus die Sätze ab, mit denen kalkuliert wird: Zuschlagssätze in Prozent, Maschinenstundensätze in Euro je Stunde.
Stufe II ist die aufwendigste und zugleich die wirkungsvollste. Ohne sie bleibt nur die Verteilung nach Gießkanne — und damit die Quersubventionierung zwischen teuren und günstigen Kostenstellen, die in Kapitel 3 als Fehler #07 auftaucht.
2.4 Stufe III — Kostenträgerrechnung
Jetzt wird gerechnet, wofür das Ganze da war: Was kostet dieses Bauteil, dieser Auftrag, diese Baugruppe? Die Stufe zerfällt in die Vorkalkulation (vor dem Angebot), die mitlaufende Kalkulation (während der Fertigung) und die Nachkalkulation (nach Abschluss).
2.5 Welches System passt zu welchem Betrieb?
| Betriebstyp | Empfohlenes System | Begründung |
|---|---|---|
| Einzelfertigung, wenige Maschinen | Zuschlagskalkulation mit einem Maschinensatz je Engpassanlage | Aufwand niedrig halten, aber die teure Anlage sauber erfassen |
| Lohnfertigung CNC, mehrere Verfahren | BAB mit Maschinenstundensätzen je Kostenstelle | Verfahren unterscheiden sich um ein Vielfaches im Stundensatz |
| Serienfertigung, ein Produkt | Divisionskalkulation | Gemeinkostenverteilung wird trivial |
| Serienfertigung, Varianten | Äquivalenzziffernkalkulation | Varianten unterscheiden sich proportional |
2.6 Die drei Dimensionen: Ihr individuelles System
Jedes Kostenrechnungssystem lässt sich über drei Dimensionen einordnen. Ihre Kombination ergibt das System, das zu Betriebsgröße, Branche und Steuerungsanspruch passt.
| Dimension | Varianten | Wann welche? |
|---|---|---|
| Zeitbezug | Ist · Normal · Plan | Ist: Einstieg, Einzelfertigung · Normal: Serie · Plan: Controlling, Budgets |
| Umfang | Vollkosten · Teilkosten (DB) | Vollkosten: Preisfindung · Teilkosten: kurzfristige Entscheidungen (Kap. 13) |
| Verfahren | Zuschlag · Maschinenstundensatz · bereichsbezogen | MSR bei Maschinenbindung, Zuschlag bei Handarbeit |
2.7 Systemempfehlung nach Branche
| Branche / Verfahren | Empfohlenes System | Besonderheit |
|---|---|---|
| CNC-Zerspanung (Drehen, Fräsen, 5-Achs) | Ist × Voll × MSR | Hohe Maschinenvielfalt — MSR kostenstellenbezogen. Typisch 25–65 €/h. |
| Kunststoff-Spritzguss | Ist × Voll × MSR | Formkosten separat (SEKF), Energie erheblich. 15–30 €/h. |
| Druckguss (Alu, Zink) | Ist × Voll × MSR | Schnelle Abschreibung; Schuss-Stückkosten als Zwischenschritt. |
| Montage / Handarbeit | Ist × Voll × bereichsbezogen | Kein MSR — Lohnkosten dominieren, FGK-Zuschlag auf Fertigungslöhne. |
| Lohnfertiger (gemischt) | Ist × Voll × MSR + bereichsbezogen | MSR für Maschinenplätze, Zuschlag für Montage — Kombination. |
Die Präzisionsteile Muster GmbH ist ein CNC-Lohnfertiger mit rund 30 Mitarbeitern, zwei Drehzentren, einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum und einer Montage. Damit fällt sie in die zweite Zeile — BAB mit Maschinenstundensätzen. Alle Kapitel rechnen diesen Betrieb durch.