David Krause Fachbuch · V — Steuerung · Kapitel 14
Teil V — Steuerung Kapitel 14 / 18 Referenzbetrieb Präzisionsteile Muster GmbH Stand v23.1 · 07/2026

Spindellaufzeit statt Maschinenzeit

Werkzeuge verschleißen nur, wenn die Spindel schneidet. Energie fließt auch beim Rüsten. Wer beides über dieselbe Stundenzahl verteilt, verrechnet Kosten dorthin, wo sie nie entstanden sind.

2.647 h
Spindelstunden
3.393 h
Produktivstunden
59,44 €
je Spindelstunde

14.1 Der Unterschied

Eine Maschine ist eingeschaltet, solange sie belegt ist — auch beim Rüsten, Messen und Werkzeugwechsel. Die Spindel dreht nur einen Teil dieser Zeit. Im Referenzbetrieb sind das 2.647 von 3.393 produktiven Stunden, also rund 78 Prozent.

Verbrauch nach Betriebszustand · die 80/20-Regel
KostenanteilSpindellaufzeitRüstzeitBegründung
Stromverbrauch80 %20 %Hauptantrieb gegen Grundlast und Steuerung
Kühlschmierstoff90 %10 %Hochdruck bei Zerspanung, sonst Grundzirkulation
Druckluft70 %30 %Blasen und Kühlung aktiv
Werkzeugverschleiß100 %0 %ohne Spanabnahme kein Kontakt

14.2 Kalkulationssatz und Spindelsatz

Beide Sätze sind richtig — sie beantworten verschiedene Fragen. Der Kalkulationssatz verteilt alle Kosten auf die produktiven Stunden und wird für Angebote verwendet. Der Spindelsatz zeigt, was eine wertschöpfende Stunde wirklich kostet, und ist Steuerungsinformation.

SichtBasisEnergieWerkzeugSatz gesamt
Kalkulationssatz3.393 h8,97 €/h5,45 €/h46,37 €/Mh
Spindelsatz Analysegröße2.647 h11,50 €/h6,99 €/h59,44 €/h
Differenz+2,53 €/h+1,54 €/h+13,07 €/h
Nicht verwechseln

Kalkuliert wird weiterhin mit 46,37 €/Mh. Der Spindelsatz von 59,44 € ist keine Alternative dazu, sondern eine Diagnosegröße: Er zeigt, wie teuer ungenutzte Spindelzeit ist. Wer beide Sätze vermischt, verrechnet die Kosten doppelt.

14.3 Was die Trennung im Preis bewirkt

Ein Auftrag mit 30 Minuten Rüstzeit und 90 Minuten Spindelzeit wird bei korrekter Methodik anders bewertet: Die Rüstkosten fallen günstiger aus, weil sie keine Werkzeugkosten tragen, die Spindelkosten entsprechend höher.

Die richtige Preissignalwirkung

Per Saldo werden Großserienteile mit langer Spindelzeit 2 bis 4 Prozent teurer, Kleinserienwechselteile mit viel Rüstzeit 3 bis 6 Prozent günstiger. Das ist genau die Signalwirkung, die man haben will: Rüsten kostet Zeit, aber keine Werkzeuge — und ein Betrieb, der Kleinserien fertigt, soll dafür nicht bestraft werden.

14.4 Auswirkung auf den Maschinenstundensatz

Kalkulationssicht (alle Kosten auf Produktivstunden — der Satz fürs Angebot) und Analysesicht (alle Kosten je Spindelstunde — die Verursachungsgröße) am 5-Achs-BAZ. Die Spindelsicht ist Steuerungsinformation; kalkuliert wird weiterhin mit 46,37 €/Mh.

SichtStundenbasisEnergieWerkzeugSatz gesamt
Kalkulationssatz (Produktivstunden)3.393 h8,97 €/h5,45 €/h46,37 €/Mh
Analysegröße (je Spindelstunde, 78 %)2.647 Sp-h11,50 €/Sp-h6,99 €/Sp-h59,44 €/Sp-h

Eine wertschöpfende Spindelstunde kostet real 59,44 € — der Unterschied zu den 46,37 € zeigt, wie viel die 22 % Leerlauf die produktive Zeit verteuern.

14.5 OEE-Messung in der Praxis: vier Reifegrade

GradMethodeDatenquelleAufwand / Genauigkeit
1Schätzung aus ErfahrungMeister-Einschätzung, Richtwerte★☆☆☆ · für Erstaufbau ausreichend
2BDE-Rückmeldungen (manuell)Zeitstempel je Auftrag★★☆☆ · KMU ohne MES
3Spindel-MonitoringSpindelstrom-Sensor / NC-Daten★★★☆ · präzise Spindellaufzeit
4MES / IIoT-AnbindungMaschinendaten in Echtzeit★★★★ · beste Genauigkeit, höchster Aufwand
Pragmatischer Einstieg

Die meisten Betriebe starten sinnvoll bei Grad 1 oder 2 — eine grobe OEE aus Erfahrungswerten ist besser als gar keine. Der Sprung auf Grad 3 lohnt sich, sobald die Spindellaufzeit für die Werkzeugkostenzuordnung (Kapitel 15) gebraucht wird.

David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) · 15+ Jahre Kostenrechnung, Werkscontrolling und Instandhaltung in CNC- und Druckgussfertigung. Schreibt hier alles auf, was sich in der Praxis bewährt hat.
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