14.1 Der Unterschied
Eine Maschine ist eingeschaltet, solange sie belegt ist — auch beim Rüsten, Messen und Werkzeugwechsel. Die Spindel dreht nur einen Teil dieser Zeit. Im Referenzbetrieb sind das 2.647 von 3.393 produktiven Stunden, also rund 78 Prozent.
| Kostenanteil | Spindellaufzeit | Rüstzeit | Begründung |
|---|---|---|---|
| Stromverbrauch | 80 % | 20 % | Hauptantrieb gegen Grundlast und Steuerung |
| Kühlschmierstoff | 90 % | 10 % | Hochdruck bei Zerspanung, sonst Grundzirkulation |
| Druckluft | 70 % | 30 % | Blasen und Kühlung aktiv |
| Werkzeugverschleiß | 100 % | 0 % | ohne Spanabnahme kein Kontakt |
14.2 Kalkulationssatz und Spindelsatz
Beide Sätze sind richtig — sie beantworten verschiedene Fragen. Der Kalkulationssatz verteilt alle Kosten auf die produktiven Stunden und wird für Angebote verwendet. Der Spindelsatz zeigt, was eine wertschöpfende Stunde wirklich kostet, und ist Steuerungsinformation.
| Sicht | Basis | Energie | Werkzeug | Satz gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Kalkulationssatz | 3.393 h | 8,97 €/h | 5,45 €/h | 46,37 €/Mh |
| Spindelsatz Analysegröße | 2.647 h | 11,50 €/h | 6,99 €/h | 59,44 €/h |
| Differenz | — | +2,53 €/h | +1,54 €/h | +13,07 €/h |
Kalkuliert wird weiterhin mit 46,37 €/Mh. Der Spindelsatz von 59,44 € ist keine Alternative dazu, sondern eine Diagnosegröße: Er zeigt, wie teuer ungenutzte Spindelzeit ist. Wer beide Sätze vermischt, verrechnet die Kosten doppelt.
14.3 Was die Trennung im Preis bewirkt
Ein Auftrag mit 30 Minuten Rüstzeit und 90 Minuten Spindelzeit wird bei korrekter Methodik anders bewertet: Die Rüstkosten fallen günstiger aus, weil sie keine Werkzeugkosten tragen, die Spindelkosten entsprechend höher.
Per Saldo werden Großserienteile mit langer Spindelzeit 2 bis 4 Prozent teurer, Kleinserienwechselteile mit viel Rüstzeit 3 bis 6 Prozent günstiger. Das ist genau die Signalwirkung, die man haben will: Rüsten kostet Zeit, aber keine Werkzeuge — und ein Betrieb, der Kleinserien fertigt, soll dafür nicht bestraft werden.
14.4 Auswirkung auf den Maschinenstundensatz
Kalkulationssicht (alle Kosten auf Produktivstunden — der Satz fürs Angebot) und Analysesicht (alle Kosten je Spindelstunde — die Verursachungsgröße) am 5-Achs-BAZ. Die Spindelsicht ist Steuerungsinformation; kalkuliert wird weiterhin mit 46,37 €/Mh.
| Sicht | Stundenbasis | Energie | Werkzeug | Satz gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Kalkulationssatz (Produktivstunden) | 3.393 h | 8,97 €/h | 5,45 €/h | 46,37 €/Mh |
| Analysegröße (je Spindelstunde, 78 %) | 2.647 Sp-h | 11,50 €/Sp-h | 6,99 €/Sp-h | 59,44 €/Sp-h |
Eine wertschöpfende Spindelstunde kostet real 59,44 € — der Unterschied zu den 46,37 € zeigt, wie viel die 22 % Leerlauf die produktive Zeit verteuern.
14.5 OEE-Messung in der Praxis: vier Reifegrade
| Grad | Methode | Datenquelle | Aufwand / Genauigkeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Schätzung aus Erfahrung | Meister-Einschätzung, Richtwerte | ★☆☆☆ · für Erstaufbau ausreichend |
| 2 | BDE-Rückmeldungen (manuell) | Zeitstempel je Auftrag | ★★☆☆ · KMU ohne MES |
| 3 | Spindel-Monitoring | Spindelstrom-Sensor / NC-Daten | ★★★☆ · präzise Spindellaufzeit |
| 4 | MES / IIoT-Anbindung | Maschinendaten in Echtzeit | ★★★★ · beste Genauigkeit, höchster Aufwand |
Die meisten Betriebe starten sinnvoll bei Grad 1 oder 2 — eine grobe OEE aus Erfahrungswerten ist besser als gar keine. Der Sprung auf Grad 3 lohnt sich, sobald die Spindellaufzeit für die Werkzeugkostenzuordnung (Kapitel 15) gebraucht wird.