David Krause Fachbuch · I — Grundlagen · Kapitel 2
Teil I — Grundlagen Kapitel 02 / 18 Referenzbetrieb Präzisionsteile Muster GmbH Stand v23.1 · 07/2026

Das Drei-Stufen-Modell

Welche Kosten? Wo entstanden? Wofür? Drei Fragen, drei Stufen — und jede baut auf der vorherigen auf. Wer eine überspringt, verliert die Nachvollziehbarkeit.

3
Stufen
24
Kostenarten-Knoten
7
Endkostenstellen

2.1 Das Modell im Überblick

StufeFrageErgebnisKapitel
IWelche Kosten sind angefallen?Kostenartenplan mit abgegrenzten, verrechenbaren KostenKapitel 4
IIWo sind sie angefallen?Betriebsabrechnungsbogen mit Zuschlagssätzen und MaschinenstundensätzenKapitel 5–7
IIIWofür sind sie angefallen?Kalkulation je Auftrag, Angebotspreis, DeckungsbeitragKapitel 10–13

2.2 Stufe I — Kostenartenrechnung

Ausgangspunkt ist die GuV. Sie wird sachlich abgegrenzt (was gehört überhaupt in die Kostenrechnung?) und zeitlich (welcher Anteil gehört in diese Periode?). Das Ergebnis ist ein Kostenartenplan, in dem jede Position genau einmal auftaucht — bereinigt um neutrale Aufwendungen, ergänzt um kalkulatorische Kosten.

2.3 Stufe II — Kostenstellenrechnung

Einzelkosten lassen sich dem Auftrag direkt zurechnen. Gemeinkosten nicht — sie fallen für den ganzen Betrieb an. Der Betriebsabrechnungsbogen verteilt sie auf Kostenstellen und leitet daraus die Sätze ab, mit denen kalkuliert wird: Zuschlagssätze in Prozent, Maschinenstundensätze in Euro je Stunde.

Hier entscheidet sich die Qualität

Stufe II ist die aufwendigste und zugleich die wirkungsvollste. Ohne sie bleibt nur die Verteilung nach Gießkanne — und damit die Quersubventionierung zwischen teuren und günstigen Kostenstellen, die in Kapitel 3 als Fehler #07 auftaucht.

2.4 Stufe III — Kostenträgerrechnung

Jetzt wird gerechnet, wofür das Ganze da war: Was kostet dieses Bauteil, dieser Auftrag, diese Baugruppe? Die Stufe zerfällt in die Vorkalkulation (vor dem Angebot), die mitlaufende Kalkulation (während der Fertigung) und die Nachkalkulation (nach Abschluss).

2.5 Welches System passt zu welchem Betrieb?

BetriebstypEmpfohlenes SystemBegründung
Einzelfertigung, wenige MaschinenZuschlagskalkulation mit einem Maschinensatz je EngpassanlageAufwand niedrig halten, aber die teure Anlage sauber erfassen
Lohnfertigung CNC, mehrere VerfahrenBAB mit Maschinenstundensätzen je KostenstelleVerfahren unterscheiden sich um ein Vielfaches im Stundensatz
Serienfertigung, ein ProduktDivisionskalkulationGemeinkostenverteilung wird trivial
Serienfertigung, VariantenÄquivalenzziffernkalkulationVarianten unterscheiden sich proportional

2.6 Die drei Dimensionen: Ihr individuelles System

Jedes Kostenrechnungssystem lässt sich über drei Dimensionen einordnen. Ihre Kombination ergibt das System, das zu Betriebsgröße, Branche und Steuerungsanspruch passt.

DimensionVariantenWann welche?
ZeitbezugIst · Normal · PlanIst: Einstieg, Einzelfertigung · Normal: Serie · Plan: Controlling, Budgets
UmfangVollkosten · Teilkosten (DB)Vollkosten: Preisfindung · Teilkosten: kurzfristige Entscheidungen (Kap. 13)
VerfahrenZuschlag · Maschinenstundensatz · bereichsbezogenMSR bei Maschinenbindung, Zuschlag bei Handarbeit

2.7 Systemempfehlung nach Branche

Branche / VerfahrenEmpfohlenes SystemBesonderheit
CNC-Zerspanung (Drehen, Fräsen, 5-Achs)Ist × Voll × MSRHohe Maschinenvielfalt — MSR kostenstellenbezogen. Typisch 25–65 €/h.
Kunststoff-SpritzgussIst × Voll × MSRFormkosten separat (SEKF), Energie erheblich. 15–30 €/h.
Druckguss (Alu, Zink)Ist × Voll × MSRSchnelle Abschreibung; Schuss-Stückkosten als Zwischenschritt.
Montage / HandarbeitIst × Voll × bereichsbezogenKein MSR — Lohnkosten dominieren, FGK-Zuschlag auf Fertigungslöhne.
Lohnfertiger (gemischt)Ist × Voll × MSR + bereichsbezogenMSR für Maschinenplätze, Zuschlag für Montage — Kombination.
Der Referenzbetrieb dieses Buches

Die Präzisionsteile Muster GmbH ist ein CNC-Lohnfertiger mit rund 30 Mitarbeitern, zwei Drehzentren, einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum und einer Montage. Damit fällt sie in die zweite Zeile — BAB mit Maschinenstundensätzen. Alle Kapitel rechnen diesen Betrieb durch.

David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) · 15+ Jahre Kostenrechnung, Werkscontrolling und Instandhaltung in CNC- und Druckgussfertigung. Schreibt hier alles auf, was sich in der Praxis bewährt hat.
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