David Krause Fachbuch · Teil III · Kapitel 8
Teil III — Kapazität & Stundensatz Kapitel 08 / 18 Lesepfad schneller Einstieg · Station 2 Stand v23.1 · 07/2026

Selbstdiagnose und Korrekturrechnungen

Zehn Fragen an die eigene Kalkulation. Jedes Nein markiert einen Korrekturbedarf mit konkretem Euro-Betrag — hergeleitet aus den Methoden der Kapitel 4 bis 7.

10
Diagnosefragen
125–375 T€
Potenzial bei 2,5 Mio. Umsatz
6
Maschinen im Referenzbetrieb

8.1 Der Selbsttest

Beantworten Sie jede Frage ehrlich — die Häkchen bleiben in Ihrem Browser und werden nirgendwohin übertragen.

#01
Ertragsteuern (Gewerbe-, Körperschaftsteuer, Soli) sind aus meiner Kostenrechnung ausgeschlossen.
Sonst: Stundensatz 3–8 % zu hoch → Kapitel 4
#02
Abschreibungen basieren auf dem Wiederbeschaffungswert, nicht auf den Anschaffungskosten.
Sonst: AfA 15–40 % zu niedrig → Kapitel 6
#03
Ich nutze die technisch-wirtschaftliche Nutzungsdauer, nicht die steuerliche AfA-Tabelle.
Sonst: 4–8 €/h falsch → Kapitel 6
#04
Meine Kapazität ist realistisch berechnet — keine Annahme von 100 % Auslastung.
Sonst: Fixkosten 25–40 % zu niedrig je Stunde → Kapitel 7
#05
Ich trenne Spindellaufzeit von Maschine-an-Zeit bei Werkzeug- und Energiekosten.
Sonst: 30–50 % Zuordnungsfehler → Kapitel 14
#06
Werkzeug- und Kühlschmierstoffkosten werden der jeweiligen Kostenstelle zugeordnet — keine Gießkanne.
Sonst: Quersubventionierung zwischen Stellen → Kapitel 15
#07
Jede Fertigungskostenstelle hat einen eigenen Maschinenstundensatz, keinen pauschalen FGK-Zuschlag.
Sonst: CNC subventioniert Handarbeit → Kapitel 5
#08
Kalkulatorische AfA, Zinsen und — bei Einzelunternehmen — Unternehmerlohn sind enthalten.
Sonst: 5–22 €/h zu billig → Kapitel 4
#09
Ich bereinige die GuV um periodenfremde und außerordentliche Positionen.
Sonst: Zufallsergebnis statt System → Kapitel 4
#10
Auch Handarbeitsplätze haben einen eigenen Ressourcen-Stundensatz, nicht nur einen Prozentzuschlag.
Sonst: Montage subventioniert die Zerspanung → Kapitel 5
0 von 10 Fragen mit Ja beantwortet
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8.2 Wie die Korrekturen gerechnet werden

Für jeden der zehn Fehler enthält das Buch eine vollständige Vorher-Nachher-Rechnung am Referenzbetrieb. Zwei Beispiele zeigen die Systematik:

Fehler #03 · Steuerliche statt technische Nutzungsdauer

Vorher: 5-Achs-BAZ, Wiederbeschaffungswert 669.000 €, steuerliche Nutzungsdauer 14 Jahre → kalkulatorische AfA 47.786 €/Jahr → 14,08 €/h bei 3.393 h.

Nachher: Technische Nutzungsdauer im Zweischichtbetrieb 13 Jahre → 51.462 €/Jahr → 15,17 €/h. Differenz: +1,08 €/h.

Im Dreischichtbetrieb verschärft sich der Fehler: Die Maschine verschleißt schneller, die technische Nutzungsdauer sinkt auf 10 Jahre → 66.900 €/Jahr → 13,15 €/h bei 5.088 h. Wer dort mit 14 Jahren rechnet, kommt auf 9,39 €/h. Differenz: +3,76 €/h oder rund 19.100 € im Jahr — pro Maschine.

Fehler #07 · Pauschaler Zuschlag statt Maschinenstundensatz

Vorher: Pauschaler FGK-Zuschlag von 150 % auf den Fertigungslohn. Bei 32 €/h ergibt das für jede Stelle denselben Vollstundensatz: 32,00 + 48,00 = 80,00 €/h — für das 5-Achs-BAZ ebenso wie für den Montageplatz.

Nachher: Kostenstellenbezogene Sätze nach BAB. 5-Achs-BAZ: 46,37 MSR + 32,00 Lohn + 11,23 RGK = 89,60 €/h. Montage (kein MSR, FGK 60,8 %): 32,00 + 19,46 = 51,46 €/h.

Das BAZ war 9,60 €/h zu billig, die Montage 28,54 €/h zu teuer. Bei 2.000 BAZ-Stunden sind das 19.200 € Unterdeckung — während die Montage bei 1.500 Stunden 42.810 € überdeckt. Die Montage subventioniert die Zerspanung.

8.3 Der kumulierte Korrekturbedarf

Die Auswirkungen sind nicht additiv — manche Fehler kompensieren sich teilweise, andere verstärken sich. Die Größenordnung ist aber klar:

Referenzbetrieb · 2,5 Mio. € Umsatz · 6 Maschinen
#FehlerDifferenzJahreswirkung
01Ertragsteuern als Kosten−4,93 €/h−29.580 €
02AfA auf Anschaffungskostenbis +7,65 €/hbis −68.850 €
03Steuerliche Nutzungsdauerbis +3,76 €/hbis −19.100 €
04Kapazität überschätzt+10,20 €/h−44.376 €
05Spindel- vs. Maschinenzeit±5,45 €/h~7.000 € Fehlzuordnung
06Werkzeug-Gießkannebis +18 €/h−18.000 €
07Pauschaler FGK-Zuschlag+9,60 €/h−19.200 €
08Kalkulatorische Kosten fehlen+15,33 €/h−91.980 €
09Keine Periodenabgrenzung±24 €/h Schwankungnicht quantifizierbar
10Montage ohne Ressourcensatz−29,24 €/h+219.300 € verlorene Aufträge
ΣGesamtpotenzial (kumuliert, nicht additiv)15–35 %125.000–375.000 €
Die Zeile #10 lesen viele falsch

Ein negativer Wert bedeutet hier nicht „harmlos". Die Montage ist um 29,24 €/h zu teuer kalkuliert — Aufträge gehen deshalb an den Wettbewerb, obwohl man sie profitabel hätte fertigen können. Der Betrag von 219.300 € ist entgangener Umsatz, nicht entgangene Marge. Aber er zeigt: Zu hohe Sätze kosten genauso wie zu niedrige, nur unsichtbarer.

Der Weg nach vorne

Wenn Sie dem Lesepfad „schneller Einstieg" folgen, geht es weiter mit Kapitel 11.4 — den Preisuntergrenzen. Damit haben Sie in etwa zwei Stunden ein belastbares Bild davon, wo Ihre Kalkulation steht. Für den vollständigen Aufbau beginnen Sie bei Kapitel 4 und rechnen den Referenzbetrieb mit Ihren eigenen Zahlen parallel nach.

David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) · 15+ Jahre Kostenrechnung, Werkscontrolling und Instandhaltung in CNC- und Druckgussfertigung. Schreibt hier alles auf, was sich in der Praxis bewährt hat.
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