16.1 Warum das Schichtmodell den Lohnsatz verändert
Der Tariflohn ist in jeder Schicht gleich. Was sich unterscheidet, sind die Zulagen — und sie sind sozialversicherungspflichtig, wirken also doppelt.
| Komponente | Einschicht | Zweischicht ★ | Dreischicht |
|---|---|---|---|
| Grundlohn | 22,00 | 22,00 | 22,00 |
| Früh- und Spätschichtzulage | — | +1,70 | +1,70 |
| Nachtschichtzulage (25 %) | — | — | +5,50 |
| Schichtprämie | — | +1,20 | +1,80 |
| Ø Bruttolohn | 22,00 | 23,45 | 25,33 |
| AG-Sozialversicherung (21,1 %) | +4,64 | +4,95 | +5,34 |
| Urlaubsgeld, Sonderzahlung | +1,83 | +1,95 | +2,11 |
| FEK-Stundensatz | 28,47 | 30,35 | 32,78 |
| gegenüber Einschicht | 100 % | +6,6 % | +15,1 % |
Dreischicht macht den Lohn um 15 Prozent teurer — senkt aber den Maschinenstundensatz von 46,37 auf 33,90 €/Mh, also um 27 Prozent (Kapitel 7.2). Bei maschinenintensiven Teilen überwiegt der zweite Effekt deutlich. Bei lohnintensiven Handarbeitsplätzen kehrt sich das Verhältnis um. Welches Modell günstiger ist, entscheidet also das Verhältnis von Maschinen- zu Lohnanteil im Produkt — nicht das Bauchgefühl.
16.2 Vier Schichtmodelle im Lohnkostenvergleich
Ausgangslage: Grundlohn Fertigungswerker 22,00 €/h brutto (Tarif Metall Sachsen), AG-Sozialversicherung 21,1 %, Schicht- und Nachtzulagen nach Manteltarifvertrag. Der FEK-Stundensatz steigt mit dem Schichtmodell spürbar.
| Lohnkomponente | Einschicht | Zweischicht ★ | Dreischicht |
|---|---|---|---|
| Grundlohn (Tarif) | 22,00 €/h | 22,00 €/h | 22,00 €/h |
| Früh-/Spätschichtzulage | — | ~0,85 €/h | 1,70 €/h |
| Nachtschichtzulage (25 %) | — | — | 5,50 €/h |
| Schichtprämie | — | 1,20 €/h | 1,80 €/h |
| AG-Sozialversicherung (21,1 %) | 4,64 €/h | 4,95 €/h | 5,34 €/h |
| Urlaubs-/Jahressonderzahlung | 1,83 €/h | 1,95 €/h | 2,11 €/h |
| → FEK-Stundensatz gesamt | 28,47 €/h | 30,35 €/h | 32,78 €/h |
Zwischen Einschicht und Dreischicht liegen 4,31 €/h — rund 15 % Lohnkostenunterschied. Wer alle Aufträge mit dem gleichen FEK-Satz kalkuliert, obwohl sie in verschiedenen Schichten laufen, verzerrt jede Nachkalkulation. Der Zweischichtsatz (30,35 €/h) ist der Referenzwert dieses Buches.
16.3 Mehrmaschinenbedienung
Bedient ein Werker zwei oder drei Maschinen gleichzeitig, verteilt sich sein Lohn auf mehrere Aufträge. Der FEK-Stundensatz je Maschine sinkt entsprechend — der Maschinenstundensatz bleibt unverändert.
Zweischicht, zwei Maschinen: 30,35 / 2 = 15,18 €/h
Zweischicht, drei Maschinen: 30,35 / 3 = 10,12 €/h
Mehrmaschinenbedienung funktioniert nur bei ausreichend langen Spindelzeiten. Wird der Werker zum Engpass — weil zwei Maschinen gleichzeitig einen Werkzeugwechsel brauchen — entstehen Wartezeiten, die als Verfügbarkeitsverlust in der OEE erscheinen. Der eingesparte Lohn taucht dann als höherer Maschinenstundensatz wieder auf. Wer die Bedienung aufstockt, muss die OEE im Blick behalten.