1 · Die Grundformel — und der Fehler, den fast alle machen
Wer eine Ausschussquote von 3 % kennt, schlägt intuitiv 3 % auf. Das ist falsch. Gefragt ist nicht, wieviel vom Einsatz verloren geht, sondern wieviel Einsatz für ein Gutteil nötig ist.
bei q = 3 %: 1 / 0,97 = 1,0309 Rohteile je Gutteil
→ korrekter Zuschlag 3,09 %, nicht 3,00 %
| Ausschussquote | korrekter Zuschlag | naiver Aufschlag | Fehler |
|---|---|---|---|
| 2 % | 2,04 % | 2,00 % | −0,04 pp |
| 3 % | 3,09 % | 3,00 % | −0,09 pp |
| 5 % | 5,26 % | 5,00 % | −0,26 pp |
| 10 % | 11,11 % | 10,00 % | −1,11 pp |
Titangehäuse, Materialeinsatz 92,65 € je Rohteil, Ausschussquote 10 %.
| Rechenweg | Zuschlag | Materialkosten je Gutteil |
|---|---|---|
| naiv: +10 % | 10,00 % | 101,92 € |
| korrekt: 1/(1−q) | 11,11 % | 102,94 € |
Nur 1,02 € je Teil — aber bei Losgröße 500 sind das 510 € pro Auftrag, die niemand berechnet hat, und der Effekt wächst mit der Quote überproportional. Die richtige Formel steht oben; der Rest des Artikels zeigt, wo dieselbe Logik sonst noch greift.
2 · Wann der Ausschuss auffällt, entscheidet über die Höhe
Ein Teil, das nach dem Schruppen als Ausschuss erkannt wird, hat weniger Kosten verursacht als eines, das erst bei der Endprüfung durchfällt.
| Entdeckungszeitpunkt | Verlust je Teil | je Gutteil |
|---|---|---|
| nach dem Schruppen (30 % Bearbeitung) | 104,44 € | +3,23 € |
| nach dem Schlichten (100 %) | 131,94 € | +4,08 € |
| nach der Endprüfung (inkl. VwGK/VtGK) | 155,43 € | +4,81 € |
Zwischen früher und später Entdeckung liegen 1,58 € je Gutteil — rund 49 % Unterschied im Ausschusszuschlag. Das ist zugleich die Antwort auf die Frage, ob sich eine Zwischenprüfung nach dem Schruppen lohnt: Sie darf bis zu 1,58 € je Gutteil kosten, bevor sie sich nicht mehr trägt.
3 · Nacharbeit ist etwas anderes als Ausschuss
Bei Nacharbeit bleibt das Teil erhalten — es kostet zusätzliche Zeit, aber kein zusätzliches Material. Deshalb gehört sie nicht in den Ausschusszuschlag, sondern als eigene Position in die Fertigungskosten.
| Quote | Zeit je Ereignis | Kosten je Ereignis | je Gutteil |
|---|---|---|---|
| 5 % | 8 min | 11,95 € | +0,60 € |
| 10 % | 12 min | 17,92 € | +1,79 € |
| 15 % | 15 min | 22,40 € | +3,36 € |
Ausschuss von 3 % kostet 4,08 € je Gutteil, Nacharbeit von 10 % nur 1,79 €. Die Nacharbeitsquote ist dreimal so hoch und fällt in Besprechungen stärker auf — wirtschaftlich ist der Ausschuss aber der doppelt so große Posten. Wer Verbesserungsprojekte nach Auffälligkeit statt nach Kosten priorisiert, arbeitet am falschen Ende.
4 · Einbau in die Kalkulation
| Position | ohne | mit |
|---|---|---|
| Materialkosten | 92,65 € | 92,65 € |
| Fertigungskosten | 39,29 € | 39,29 € |
| + Nacharbeit (10 % × 17,92 €) | — | +1,79 € |
| = HK vor Ausschuss | 131,94 € | 133,73 € |
| + Ausschusszuschlag 3,09 % | — | +4,14 € |
| = Herstellkosten | 131,94 € | 137,87 € |
| + VwGK/VtGK 17,8 % | 23,49 € | 24,54 € |
| + SEKV | 3,50 € | 3,50 € |
| = Selbstkosten | 158,93 € | 165,91 € |
Bei einem Gewinnzuschlag von 15 % frisst ein nicht kalkulierter Ausschuss von 3 % zusammen mit 10 % Nacharbeit rund 29 % des geplanten Gewinns. Der Auftrag wird nicht unwirtschaftlich — aber er verdient deutlich weniger als gedacht, und ohne Nachkalkulation weiß niemand warum.
5 · Was nicht in den Zuschlag gehört
| Fall | Behandlung |
|---|---|
| Anlaufausschuss bei Erstaufträgen | Separater Anlaufzuschlag, im Angebot ausgewiesen |
| Ausschuss durch fehlerhafte Zeichnung | Kundenverantwortung, gesondert abrechnen |
| Ausschuss durch mangelhaftes Material | Lieferantenregress |
| Systematischer Ausschuss über 8–10 % | Prozessproblem — erst beheben, dann kalkulieren |
Ab etwa 8 bis 10 % Ausschuss hört die Kalkulation auf, das richtige Instrument zu sein. Einen solchen Wert einzupreisen heißt, ein Prozessproblem dauerhaft zu finanzieren — und den Preis so weit zu erhöhen, dass der Auftrag ohnehin verloren geht. In dieser Größenordnung ist die Fertigung gefragt, nicht der Kalkulator.