David Krause Fachbuch · IV — Angebotskalkulation · Kapitel 9
Teil IV — Angebotskalkulation Kapitel 09 / 18 Referenzbetrieb Präzisionsteile Muster GmbH Stand v23.1 · 07/2026

Welches Kalkulationsverfahren passt?

Vier Verfahren, vier Anwendungsfälle. Die Wahl hängt nicht vom Anspruch ab, sondern von der Fertigungsstruktur — und davon, wie unterschiedlich die Kostenstellen sind.

4
Kalkulationsverfahren
46,37
€/Mh · KSt 210
20,13
€/Mh · KSt 200

9.1 Die vier Verfahren

VerfahrenPrinzipGeeignet fürGrenze
DivisionskalkulationGesamtkosten / MengeEin Produkt, MassenfertigungVersagt bei Varianten
ÄquivalenzziffernVarianten über Verhältniszahlen umrechnenSortenfertigung mit proportionalen UnterschiedenVerhältnis muss stabil sein
ZuschlagskalkulationGemeinkosten als Prozentsatz auf EinzelkostenEinzel- und KleinserienfertigungVerzerrt bei ungleichen Kostenstellen
MaschinenstundensatzMaschinenkosten je Stunde, Rest als ZuschlagKapitalintensive Fertigung mit unterschiedlichen AnlagenHöherer Erfassungsaufwand

9.2 Wann lohnt sich die MSR-Einführung?

Die Maschinenstundensatzrechnung ist aufwendiger als ein pauschaler Zuschlag. Sie lohnt sich, sobald sich die Kostenstellen deutlich unterscheiden — und genau das ist in der Zerspanung die Regel.

Stundensätze im Referenzbetrieb
KostenstelleMSRZuschlagVollstundensatz
200 · CNC-Drehen20,13 €/Mh39,8 % RGK64,87 €/h
210 · CNC-5-Achs-Fräsen46,37 €/Mh35,1 % RGK89,60 €/h
240 · Montage60,8 % FGK51,46 €/h

Die Tabelle zeigt beides im selben Betrieb: Die Maschinen­kostenstellen laufen über den MSS, die Montage bleibt bewusst beim differenzierten FGK-Zuschlag (60,8 %). Das ist kein Widerspruch, sondern die richtige Zuordnung — jede Stelle wird über die Größe verrechnet, die ihre Kosten treibt.

9.3 Differenzierter FGK-Zuschlag oder MSS?

Nicht jeder Betrieb braucht Maschinenstundensätze. Ein Betrieb mit differenzierten FGK-Zuschlägen — eigener Prozentsatz je Kostenstelle — ist dem pauschalen Zuschlag weit voraus und kann für lohnintensive Fertigung völlig ausreichen. Die Entscheidung hängt an einer einzigen Größe: dem Maschinenkostenanteil je Stelle.

Situation der KostenstelleRichtiges VerfahrenWarum
Lohnintensiv, geringe Maschinenbindung (Montage, Schweißen, Prüfung)differenzierter FGK-ZuschlagGemeinkosten folgen dem Personaleinsatz — der Lohnbezug stimmt
Gemischt, Maschinenkostenanteil < 30 %differenzierter FGK-Zuschlag reichtVerzerrung durch den Lohnbezug bleibt im Toleranzbereich
Maschinenkostenanteil > 30 %, homogener ParkMSS je Stellengruppeein Satz für ähnliche Maschinen genügt, Aufwand überschaubar
Maschinenkostenanteil > 30 %, heterogener ParkMSS je Maschine/Kostenstellenur der einzelne MSS bildet die großen Satzunterschiede ab (vgl. 9.5)
Der häufigste Fehler beim differenzierten Zuschlag

Ein differenzierter FGK-Satz wird gefährlich, wenn er auf eine kapitalintensive Stelle angewendet wird, deren Maschinenkosten nicht mit dem Lohn korrelieren. Beispiel: Ein automatisiertes Drehzentrum läuft mannlos — wenig Fertigungslohn, hohe Maschinenkosten. Ein FGK-Zuschlag „auf Lohn" verrechnet dort viel zu wenig Gemeinkosten, weil die Bezugsbasis (Lohn) klein ist, die tatsächlichen Kosten (Maschine) aber groß. Genau dieser Fall verlangt den MSS — der differenzierte Zuschlag kann ihn nicht auffangen.

9.4 Entscheidungsmatrix: welches Verfahren?

Beantworten Sie die Kriterien und wählen Sie das Verfahren mit den meisten Treffern für Ihre Situation. ★ = besonders geeignet.

KriteriumSummarischBereichsbez.KSt-bezogenMSR ★
< 10 Mitarbeiter
10–30 Mitarbeiter
> 30 Mitarbeiter
Homogener Maschinenpark
Heterogener Park (CNC, Druckguss, Montage)
Maschinenkosten > 30 % der Fertigungskosten
Einzelfertigung / Kleinserie

9.5 Vier Maschinentypen im MSS-Vergleich

Dieselbe Methodik aus Kapitel 7 (WBW-Basis, technische ND, OEE-Produktivstunden, sechs Kostenkomponenten), angewandt auf vier reale Anlagentypen — direkt vergleichbar.

MaschineWBWNDhprodΣ €/JahrMSS €/Mh
Spritzguss 250 t (3-Schicht)215 T€12 J4.60970.202 €15,24
CNC 5-Achs-BAZ (2-Schicht)410 T€10 J2.81996.040 €34,07
Druckguss (Alu, 2-Schicht)520 T€9 J3.100148.000 €47,74
Laserschneidanlage (2-Schicht)580 T€8 J3.254181.900 €55,90

Der Faktor 3,7 zwischen billigster und teuerster Maschine zeigt, warum ein pauschaler Satz in einem gemischten Park zwangsläufig quersubventioniert.

Die Faustregel

Weichen die Vollstundensätze der Fertigungsstellen um mehr als etwa 20 Prozent voneinander ab, ist ein pauschaler Zuschlag nicht mehr vertretbar. Im Referenzbetrieb liegen zwischen Montage und 5-Achs-Fräsen 74 Prozent — hier wäre eine Pauschale grob fahrlässig. Bei drei ähnlichen Drehmaschinen dagegen genügt ein gemeinsamer Satz.

Bewusst nicht behandelt

Prozesskostenrechnung und Target Costing kommen in diesem Buch nicht vor. Beide sind methodisch interessant, aber für einen Fertigungsbetrieb dieser Größe unverhältnismäßig: Die Prozesskostenrechnung braucht eine Kostentreiber-Analyse quer durch alle indirekten Bereiche, Target Costing eine Marktforschung, die kein Lohnfertiger leisten kann. Wer die vier Verfahren oben sauber beherrscht, deckt den Bedarf ab.

David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) · 15+ Jahre Kostenrechnung, Werkscontrolling und Instandhaltung in CNC- und Druckgussfertigung. Schreibt hier alles auf, was sich in der Praxis bewährt hat.
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