David Krause Wissensspeicher · Kalkulation & Deckungsbeitrag
Themenwelt Kalkulation & Deckungsbeitrag Fachartikel Projektgeschäft Beispiel fiktive Anlage · 400 T€ Stand 10/2026

Projektkalkulation und Vorschau der Herstellkosten

In der Einzelfertigung gibt es kein nächstes Los, das man besser kalkulieren könnte. Wer erst nach der Abnahme nachrechnet, erfährt nur noch, was verloren ging. Die mitlaufende Kalkulation zeigt es, solange noch gesteuert werden kann.

433 T€
Vorschau statt 400 T€ Angebot
+8,3 %
Überschreitung, sichtbar in Monat 3
174 T€
gebucht — sieht gesund aus
Einordnung

Das Fachbuch rechnet einen Serien- und Auftragsfertiger durch. Dieser Artikel überträgt dieselbe Methodik auf das Projektgeschäft — Sondermaschinen, Anlagen, Einzelfertigung mit hohem Zukaufanteil. Das Rechenbeispiel ist fiktiv und bewusst einfach gehalten.

1 · Warum die Nachkalkulation hier zu spät kommt

In der Serie korrigiert die Nachkalkulation das nächste Los (Kapitel 12). Im Projektgeschäft gibt es kein nächstes Los: Die Anlage wird einmal gebaut. Wer erst am Ende nachrechnet, erfährt nur noch, wie viel Marge verloren ging. Steuern lässt sich ein Projekt nur, solange noch Stunden und Bestellungen offen sind.

Drei Kalkulationen, drei Zeitpunkte
KalkulationZeitpunktFrageNutzen
Vorkalkulationvor dem AngebotWas wird es kosten?Preis und Budget
Mitlaufende Kalkulationmonatlich im ProjektWo landen wir, wenn nichts geschieht?Gegensteuern
Nachkalkulationnach der AbnahmeWas hat es gekostet?Lernen für das nächste Angebot

2 · Die Formel: Ist plus Obligo plus Restaufwand

Vorschau der Herstellkosten Vorschau = Ist + Obligo + Restaufwand

Ist = gebuchte Kosten: gelieferte Zukaufteile, zurückgemeldete Stunden × Stundensatz
Obligo = bestellt, aber noch nicht geliefert oder berechnet
Restaufwand = noch nicht bestelltes Material + noch zu leistende Stunden × Stundensatz

Die ersten beiden Größen liefert das ERP. Die dritte ist eine Schätzung der Projektleitung — und genau dort entscheidet sich die Qualität der Vorschau.

Der häufigste Fehler

Restaufwand als „Budget minus Ist" zu rechnen. Dann ergibt die Vorschau immer genau das Budget, und jede Überschreitung bleibt unsichtbar, bis das Budget verbraucht ist. Der Restaufwand muss von unten geschätzt werden: Welche Arbeitspakete sind offen, wie viele Stunden brauchen sie noch?

3 · Rechenbeispiel: Anlage mit 400 T€ Herstellkosten

Angebot: 220 T€ Zukauf und 3.000 Stunden Eigenleistung zu 60 €/h. Stand nach drei Monaten:

Mitlaufende Kalkulation · Monat 3 · in T€
PositionAngebotIstObligoRestaufwandVorschauAbweichung
Zukauf2209011035235+15
Eigenleistung (60 €/h)18084—114198+18
Herstellkosten400174110149433+33
Was die Tabelle zeigt

Gebucht sind erst 174 T€ — weniger als die Hälfte des Budgets, das Projekt sieht gesund aus. Erst Obligo und Restaufwand zeigen die Überschreitung von 33 T€ oder 8,3 %. Bei den Stunden steckt sie in der Schätzung der Projektleitung: 1.400 Stunden sind geleistet, 1.900 noch offen, zusammen 3.300 statt 3.000. Mit „Budget minus Ist" stünden dort 1.600 Stunden, und die Vorschau läge bei null Abweichung.

4 · Abweichung trennen, bevor man handelt

AbweichungUrsacheWer steuertHebel
Zukauf, PreisTeil teurer als kalkuliertEinkaufNachverhandeln, Alternativlieferant
Zukauf, MengeTeile vergessen oder Konzept geändertKonstruktion, ProjektleitungÄnderung dem Kunden berechnen
Stunden, MengeAufwand unterschätzt, NacharbeitProjektleitungUmfang klären, Nachtrag stellen
Stunden, SatzStundensatz stimmt nicht mehrControllingSatz aus dem BAB neu ableiten

Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen eigenem Fehler und Kundenänderung. Eine Mehrstunde aus einer Änderung des Kunden ist kein Verlust, sondern ein Nachtrag — wenn sie rechtzeitig als solche erfasst wird.

5 · Fertigstellungsgrad: woran man ihn misst

Gemessen an den Kosten ist das Projekt zu 174 / 433 = 40 % fertig. Gegen das alte Budget gerechnet wären es 174 / 400 = 43,5 % — die Überschreitung lässt das Projekt weiter aussehen, als es ist. Belastbarer sind Meilensteine: Konstruktion freigegeben, Hauptkomponenten geliefert, Montage abgeschlossen, Abnahme. Ein Arbeitspaket ist fertig oder nicht; „zu 90 % fertig" bleibt es erfahrungsgemäß lange.

6 · Ergebnis und Liquidität sind zwei Rechnungen

Ein Projekt kann profitabel sein und trotzdem Kasse binden. Zukaufteile werden bei Lieferung fällig, die Schlussrate des Kunden erst nach der Abnahme. Die Vorschau der Herstellkosten gehört deshalb neben einen Zahlungsplan: Anzahlungen und Meilensteinraten auf der einen Seite, Lieferantenzahlungen und Löhne auf der anderen. Zeigt die Vorschau einen Verlust, ist das auch ein Thema für den Abschluss — für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften verlangt das Handelsrecht eine Rückstellung.

7 · Bezug zum Fachbuch

Baustein im ProjektgeschäftHerleitungIm Buch
Stundensatz je Bereich (Konstruktion, Montage, Inbetriebnahme)wie der Maschinenstundensatz: Kosten der Stelle geteilt durch produktive StundenKap. 5–7
Zuschlag auf ZukaufteileMaterialgemeinkosten; bei wenigen teuren Komponenten besser je VorgangKap. 9.6
AngebotspreisKalkulationsschema von den Herstellkosten zum PreisKap. 10
Projekt unter Vollkosten annehmen?Deckungsbeitrag und freie KapazitätKap. 13.4

8 · Checkliste

David Krause
Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) · 15+ Jahre Kostenrechnung, Werkscontrolling und Instandhaltung in CNC- und Druckgussfertigung. Schreibt hier alles auf, was sich in der Praxis bewährt hat.
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